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Masaccio, die Perspektive und Europa Ein Versuch über den Bilderrahmen Leander Kaiser, 1988/2006 pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | |
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Die Gegenwart ist Rückkehr in sich, d.h. ein Übergehen einer Gegenwart in eine andere Gegenwart, das Gegenwärtigbleiben im Herkommen und Wissen und Sich-Öffnen. Wenn Zukunft kein Sich-Öffnen des Gegenwärtigen, dann bleibt sie im Jenseits: eine mittelalterliche Vorstellung, die Hegel beschreibt: „Wir haben zweierlei Welten: ein Reich des Lebens, ein Reich des Todes. Die göttliche Welt war für die Einbildungskraft, bevölkert durch Engel, Heilige, Märtyrer; in der übersinnlichen Welt war keine Natur, keine Wirklichkeit des Denkenden, allgemeinen, vernünftigen Weltbewusstsein. In der unmittelbaren Welt sinnlichen Natur war keine Göttlichkeit weil sie nur das Grab des Gottes, wie der Gott außer jener. Zum göttlichen Reich, von Verstorbenen bewohnt, war nur durch den Tod zu gelangen, die natürliche Welt war ebenso Tod – belebt nur durch den Schein jener und die Hoffnung, hatte sie keine Gegenwart.“ (Hegel, Geschichte der Philosophie, Werkausgabe Bd. 19, S. 587f) Augustinus hat wohl recht damit, dass Vergangenheit und Zukunft nur in der Gegenwart existieren, weil die Vergangenheit bloß erinnert, die Zukunft bloß vorausgedacht werden kann. Wenn Belting, von Augustinus ausgehend, gerade der Ikone eine Position unüberbietbarer Gegenwärtigkeit zuspricht, weil sie an ein Vergangenes erinnert (das Erdenwallen Jesu oder eines Heiligen) und eine Zukunft mit Glaubensgewissheit verheißt (die Wiederauferstehung und Erlösung) und beides im Gruß und Verehrung des Heiligen gegenwärtig ist, so übersieht er, dass diese Gegenwart genau in dem Grade, als sie Vergangenheit und Zukunft umfasst, eine Abwendung vom Diesseitigen ist, genau jenen Zerfall in eine schlechte Welt und ein gutes Jenseits vollzieht, von dem Hegel und Dvorak sprechen – denn die Gegenwart als konkrete Vermittlung ist tätig, Handeln und Denken, wirkliche Subjektivität, und gerade diese Geistesgegenwart ist es, die der Christus des Masaccio an den Tag legt. |
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