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Masaccio, die Perspektive und Europa Ein Versuch über den Bilderrahmen Leander Kaiser, 1988/2006 pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | |
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Die Immanentisierung des Heilsgeschehens – im Sinne von Hegels Gegenwärtigwerden der Gegenwart als Ewigkeit – hat eine ungeheuer fortschrittliche Rolle gespielt; sie ist mit der Verheilsgeschichtlichung der Weltgeschichte nicht in eins zu setzen. Die Verheilsgeschichtlichung folgt nicht zwingend aus der Immanentisierung des Glaubens, wenn jene zwar auch die Schranken zwischen dem irdischen Jammertal und dem Jenseitigen negiert: eben weil die Menschen aufgehört hatten, das irdische Dasein als grundsätzlich zukunftsloses Jammertal zu sehen. In der religiösen Form der Immanentisierung, Verdiesseitigung zeigt sich und vollzieht sich ein Freiheitsgewinn, der sowohl von Reformation wie Gegenreformation wieder zunichte gemacht worden ist. Die Darstellung der Heilsgeschichte im Medium sinnlicher Klarheit, als Modell für jeden einzelnen Gläubigen im Bezugsystem der eigenen Lebenserfahrung, ist etwas ganz anderes als ein dogmatisches Handeln, das die Lebenserfahrung ja vielmehr negieren und die konkrete Individualität aufheben will und durch einen anderen Menschen und eine andere Weise das gesellschaftliche Sein ersetzen möchte. Es gibt Stillestehen der Zeit, das achronische Auftauchen von Erinnerungen aus dem Sog der Zeit, das Aufblitzen eines Bildes aus der Vergangenheit: was ich rekonstruiere ist die Möglichkeit einer Renaissance der Renaissance, die von Heilsgeschichte frei, aber dem religiösen Bewusstsein in seiner höchsten Form gerecht wird. Die Ansichten über den fruchtbaren Augenblick sehen das hic et nunc als Vermittlung zwischen zwei Teilen einer vergangenen Geschichte, als Illustrative Pseudogegenwart zwischen zwei Vergangenheiten: Veranschaulichung , Vergegenwärtigung , nicht Schaffung einer Gegenwart... Andere wieder konzipieren eine dokumentarische Präsenz, von der das Repräsentierte (die vergangene Weltkatastrophe) durch einen zeitlichen hiatus irrationalis getrennt ist. Der Verweis auf ein verschüttetes, verdrängtes, ausgelöschtes Leben kennt weder eine Zukunftsoffenheit noch andere zeitliche Vermittlung. Es ist eine dumpfe Welt der Verdinglichung, gegen die die Subjektivität die Erinnerung an die historische Katastrophe in selbst verdinglichter Form einklagt. |
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