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Masaccio, die Perspektive und Europa Ein Versuch über den Bilderrahmen Leander Kaiser, 1988/2006 pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | |
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Synthese wäre die Rückkehr des schweifenden Blicks zu seinem Ausgangspunkt, der damit das Gesehene als ein Ganzes, als Einheit des Mannigfaltigen in der Anschauung konstituiert. Diese Einheit als an dem gesehenen Gegenstande selbst existierend ist sein Rotieren in die Ruhe der Symmetrie, oder vielmehr ist hieraus das Gleichgewicht geworden. Der Gegenstand bestimmt sich als in sich ruhende Gestalt, als Plastik, und dann als um eine Achse gelagerte Bildgeschehen: dem letztlichen Stillestehenkönnen des Bildes in seinen in die Tiefe führenden und rotierenden Achsen käme so eine entscheidende Rolle für die Wahrnehmung seiner als einer Totalität zu. Man geht davon aus, dass es mehr als 32 Zentren in verschiedenen Gehirnarealen gibt, die Seheindrücke verarbeiten, davon sind 25 ausschließlich mit dem Sehen beschäftigt. Zwischen diesen Zentren existieren mehr als 300 Verbindungen, ein Drittel aller derartigen Transmissionen im Gehirn. Es gibt kein Areal, dem man die Funktion eines Bildschirms zuschreiben könnte, auf dem die verschiedenen Datenreihen zu einem inneren Bild zusammengefasst werden könnten. Das, was wir als Bild oder wie ein Bild sehen, bräche ohne die permanente Aperzeption eines intelligiblen Gegenübers, d.h. einer das Licht reflektierenden Außenwelt in sich zusammen. Das Sehbild ist nicht einmal die drei Sekunden, die man als die psychischen Intervalle des Jetzt gemessen hat, stabil. Es muss ständig neu aufgebaut werden. Das Gesehene selbst ist für uns der Spiegel, indem wir es widerspiegeln. Was wir als Bild sehen, ist eine Projektion aus diesen Gehirnzentren auf die Außenwelt: sie ist der Bildschirm, die Zusammensetzung der Datenreihen zu einem Bild, das wir im Gehirn nicht finden. Ohne dieses Paradox, dass das Gesehene zum Werkzeug unseres Sehens und damit erst im Vollsinn sichtbar wird, ist der Vorgang des Sehens undenkbar. Wir konstruieren wohl die Welt, aber die Konstruktion gelingt immer nur mit Hilfe der Welt. |
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