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Masaccio, die Perspektive und Europa Ein Versuch über den Bilderrahmen Leander Kaiser, 1988/2006 pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | |
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Diese Asymmetrie der Augenbewegung hat wohl zu tun mit der Asymmetrie der Körperhälften, einer Zuordnung von defensiven und offensiven Aufgaben an die beiden Arme. Mehr noch aber steht die schweifende Bewegung des Blicks in Beziehung zu unserer Fähigkeit Um - etwas – herumzublicken und Uns einen Überblick zu verschaffen . Ist das Bewusstsein nicht selbst zunächst ein Sehen des Sehens – also das Wissen , dass ich etwas nicht nicht sehen kann, eine Suche nach geeigneten Sicht- und Aussichtspunkten, unter Vermeidung von Situationen wo ich den Überblick verliere, eine Wahl, die nicht bloß instinktiv sondern zunehmend vorausschauend getroffen wird. Das Bewusstsein rekonstruiert sich ja in jedem Augenblick das Gesehene auf Grundlage vorausgeträumter Hypothesen (Wolf Singer), also Antizipationen: Das sehende Bewusstsein schweift so in sich herum wie der Blick und der Organismus, der schaut, herumschweift. Das Bewusstsein ist wesentlich ein bisschen unernst, d.h. nicht total afiziert und selten absolut bei der Sache. Das folgt aus seiner Distanziertheit und seiner Assoziativität; es freut sich an den Ablenkungen. Die Rückkehr aus der Ablenkung ist in zwangsloser Form das, was ästhetische Suggestion, Melodie, zirkuläre Komposition, Reim usf. vermag. Als purer Bewusstseinsstrom ohne zu bearbeitendes, zu beachtendes oder anzuschauendes Objekt würde das Bewusstsein zurücksinken in einer Art sekundärer Reaktivität, ein registrierend-reagierendes Bewusstsein im Leerlauf. Oder ist der zirkulär schweifende Blick nicht der, der von der Asymmetrie angetrieben wieder zur Symmetrie kommen will (und damit zur Aufhebung der zeitlichen Unterschiede)? Rotationssymmetrie ist das Prinzip, das Asymmetrie in die Symmetrie integriert. Denn in der Drehung des Ensembles um eine Achse werden alle Dinge wieder symmetrisch. Die Frage ist nur, wie wir das Ensemble definieren. Und gerade auf diese Frage gibt die Perspektive die entscheidende Antwort. Aber der kreisende Blick stellt nicht nur die Symmetrie oder eine der Symmetrie entsprechende Ordnung her, sondern damit auch eine Erfassbarkeit des Ganzen, die über die Ordnungsleistung des Ornaments weit hinausgeht. Die These wäre also Symmetrie entsprechend einer ornamentalen oder architektonischen Ordnung. Die Antithese wäre die durch Asymmetrie ausgelöste Abschweifung des Blicks, das notwendige Herumgehen, Herumschweifen des Blicks. |
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