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Masaccio, die Perspektive und Europa Ein Versuch über den Bilderrahmen Leander Kaiser, 1988/2006 pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | |
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Für den Anbeter der Ikone ist Gott ein Faktum, wenn auch ein geheimnisvolles, undurchschaubar diesseitig-jenseitiges Wesen. Für den Betrachter des Renaissancebildes ist Gott zu einem Teil seiner christlichen Weltanschauung geworden. Insofern hat Heidegger Recht, der moderne Mensch glaubt nicht, sondern hat ein Weltbild , spiritualistische und spiritistische Glaubensvirtuosen vielleicht ausgenommen. Und das Christentum hat es so an sich, vollständig erst als kohärent durchdachte Weltanschauung zu sein, also eine Theologie zu sein, die der Philosophie bedarf: es ist erst ganz Christentum, wenn der Glaube im Grunde schon schwindet, und wenn es bloß geglaubt wird ist es kein Christentum. Die Ikone wie das Sakrament, der Altar, das Kreuz, das Ziborium heiligt den Raum. Das Renaissancebild macht ihn welthaft und gibt ihm die Würde der menschlichen Erfahrung in ihren höchsten Formen. 7. Schluss Das Ins Bild gesetzt werden ist sehr oft verstanden worden als ein Vorgang, der von einer vorsprachlichen Erkenntnis, der Wahrnehmung, Anschauung und dem Gefühl usf. zur Sprache und begrifflichen Reflexion hinverläuft. So alle Modelle, die von Sinn oder Anmutung fortgehen über die Deixis – das Zeigen – zur intersubjektiven Deutung. Die Deutung als ein begrifflich-deskriptives wortsprachliches Wissen lässt man dann rückwirken auf die Anschauung, die dadurch erst Tiefe und systematisch gegliederte Totalität wird. Was bei Hegel noch den Weg frei lässt für die denkende Anschauung und die sich wissende Anschauung (das Kunstwerk), ist bei den solipsistischen Konstrukteuren wortsprachlich konstituierter Welten zur Verleugnung der spezifischen Bewusstheit des bildnerischen Kunstwerks geraten. Wir sprechen hier nicht von der Unfähigkeit all dieser Ansätze, das dem Verstehen zu Grunde liegende Selbstbewusstsein abzuleiten. Wie in der Zweidimensionalität der Bildfläche von vornherein eine Positionierung im dreidimensionalen Raum und dessen Idealität gesetzt ist, so ist in der Bildsprache des Bildes von vornherein Sprache mitübersetzt und als ein Moment der Evokation inkludiert. |
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