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Masaccio, die Perspektive und Europa Ein Versuch über den Bilderrahmen Leander Kaiser, 1988/2006 pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | |
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Mit Sartre könnten wir das durch-das-Bild-ins-Bild-gesetzt-werden seinen Sinn vor aller wortsprachlichen Deutung nennen; aber dieser Sinn ist im Bilde rückbezogen auf den Prozess der Bildwerdung, ein immer erneutes Zeigen, sodass das Intersubjektivwerdens des Sinns in der Deutung immer wieder in der überschießenden Bewusstheit des Bildzusammenhangs aufgeht, der damit von neu Sinn freigibt. Das Bild ist nicht wie der Geisteswissenschaftler eine hermeneutische Maschine, sondern eine Maschine Deutungen hervorzurufen mit hinterhältiger Bewusstheit. Darin zeigt sich sein doppeltes Wesen, nämlich eine bildliche Darstellung zu sein, und ein Apparat, uns ins Bild zu setzen. An sich beruht diese Fähigkeit des Bildes auf dem grundlegenden kulturellen Code, von dem das Verständnis aller Kunst abhängt, nämlich auf der mimetischen Anteilnahme und dem intentionalen Verstehen der Wirklichkeit einer Handlung als absichtsvolles Tun gleichartiger Wesen; die grundlegende Intentionalität ist gleich dem Sinn . Der Sinn eines Bildes beruht also darauf, das unsere Seele Menschsein ist und in der Form menschlicher Gestalt, menschlichen Verhaltens usw. erscheinen kann. Sukzession und Simultaneität werden oft gegeneinander gesetzt. Aber das, worum es geht, ist die Komplexität in der Simultaneität, die Aufhebung des Gegensatzes von Handlung und Situation, eben von Sukzession und Simultaneität. Es hat sich erwiesen, dass die Simultaneität selbst ein in sich zurücklaufender Prozess ist, die Gleichzeitigkeit ist eine Art Endlosschleife. Die Sukzession als schrittweise Vornahme des Ganzen unterliegt der Reduktion und vollzieht sich in Entscheidungsalternativen. Ins Bild gesetzt zu werden heißt zunächst des richtigen Zusammenhangs disparater Daten inne zu werden – wie am Ende eines Kriminalromans. Und es heißt zum anderen, selbst Teil des Bildprozesses zu werden, sich selbst über die Rolle in dem Geschehen klar zu werden. Die alte Malerei bot deutliche Identifikationsmuster. Das Bild wird actu Modell unserer Vorstellung von uns selbst und im Bilde haben wir diese Vorstellung zugleich als welthaftes leibliches Gegenüber vor Augen. |
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