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interpretationen |
Gespräch Michael Ley und Leander Kaiser Wien, 2004 pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | |
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ML: Indem du zur figuralen Kunst zurückgekehrt bist – vielleicht nie die figurale Kunst verlassen hast -, drückt sich da auch eine bestimmte Anthropologie aus, für dich vielleicht eine neue Anthropologie? Siehst du mit dieser Kunst die Welt anders als noch vor 20, 25 Jahren? LK: Vor 40 Jahren, als ich begonnen habe, mich künstlerisch zu betätigen, und auch später noch habe ich die Kunst stärker mit dem Ausdrucksbedürfnis und der Idee, meine persönlichen Visionen nach außen zu stellen, verbunden. Jetzt würde ich sagen, dass diese persönlichen Visionen und Bildideen sehr nützlich sind, um zu Bildern zu kommen, dass aber der Prozess der Realisierung eines Bildes eigentlich genau darin besteht, diese allzu große Begeisterung für das eigene Genie zu überwinden und einen Moment intersubjektiver Allgemeingültigkeit zu erzeugen. Einen Moment, der sich für mich nur vermitteln lässt über die Darstellung des Verhaltens von Menschen. Wobei wir heute –in einer Situation sind, wo neue Regeln des Verstehens der Menschen füreinander gefunden werden müssen. Aber im Grunde fragst du mich nach etwas, dass ich gerade dann nicht wissen und sagen kann, wenn es in meiner Malerei vorhanden wäre, nämlich eine neue Anthropologie. ML: Deine Bilder drücken, wenn man sie betrachtet, sehr oft Menschen aus, die suchend sind. In vielen Bildern verlieren die Menschen die Balance oder sind gefährdet, die Balance zu verlieren. Suchst du nach einer neuen Anthropologie und ist dieser Umgang – ist deine Malerei – eine Sichtweise auf Menschen, die eigentlich nicht mehr genau wissen, wohin sie gehen, wer sie sind? LK: Im Unterschied zu anderen Künstlern wie Francis Bacon, bei denen die Sicht des Menschen pendelt zwischen dem Ausgeliefertsein an die Physis und den existentiellen Sinnlosigkeitsgefühlen der Einsamkeit – sehe ich diese Situation des Suchens, auch der Einsamkeit, des fehlenden Gleichgewichts, als zu bejahende Kondition der Existenz, die neue Freiheitsgrade möglich macht. Vielleicht können meine Bilder etwas Vertrauen in die Möglichkeit dieser Freiheit erzeugen. |
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