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Gespräch Michael Ley und Leander Kaiser

Wien, 2004
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ML: Noch einmal nachgefragt: Kunst und Religion scheinen schwer zu trennen zu sein. Wenn nun die Avantgarde gleichsam über Wagner und andere zu einer Kunstreligion kommen, zu einer ästhetischen Religion, also genau so die Gesellschaft radikal verändern will wie politische Religionen, wie geht eine Postavantgardekunst nun jetzt mit Religion um?

LK: Die eigene künstlerische Konzeption kann keinen religiösen Anspruch erheben. Sie ist kein Erlösungswerk. Sie stellt sich als ein luxuriertes Mittel der Bildung zur Verfügung. Sie ist ein notwendiger Überschuss. Die religiösen Inhalte spielen natürlich eine Rolle. Es spielt z.B. für mich ohne Zweifel eine Rolle, dass ich in einem christlich-katholischen Umfeld, wenn auch selbst als Atheist, aufgewachsen bin, und im Katholizismus könnte man sagen, dass nebst anderem, mir eher unlieben auch eine gewisse Weltbejahung, die mitunter in fröhliche Freigeisterei übergehen kann, vorhanden ist, und ich glaube, dass das schon eine gute Grundlage für eine den Menschen wieder ergreifende Kunst ist. Religiöses Verhalten ist ein Gegenstand der Kunst. Mit der Religion kann die Kunst das Wissen um das auch Unversöhnbare im Leben teilen. Und wenn die Kunst auch keine absoluten Wahrheiten mehr produzieren will, auch nicht verifizieren oder falsifizieren kann, sollte sie sich nicht an den billigen Ritualen des Agnostizismus beteiligen.

ML: Kommen wir auf dein Werk zu sprechen. Du bist ja nicht nur Maler, sondern auch Philosoph. Was hat dich bewogen, eigentlich die Philosophie aufzugeben zugunsten der Kunst?

LK: Der Moment, in dem ich mein Philosophiestudium abgeschlossen habe mit einer Dissertation über die Hegelsche Ästhetik, war der Moment, in dem zugleich gewisse politische Illusionen, die aus der 68er Bewegung und ihren Folgen entstanden sind, endgültig den Bach hinuntergegangen sind, jedenfalls für jeden halbwegs intelligenten Menschen. Zunächst war die Idee der Malerei, die ja bei mir eine Vorgeschichte hat in meiner Jugend und in meinem Studium an der Akademie, verbunden mit der Idee eines Umwegs, der gegangen werden muss, um zu einer neuen Gesellschaftstheorie zu gelangen. Heute sehe ich die künstlerische Betätigung doch eher als Selbstzweck ... Auch in dieser heroischen Verzweiflung, die das Malen öfter mit sich bringt.

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