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interpretationen |
Gespräch Michael Ley und Leander Kaiser Wien, 2004 pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | |
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LK: Zur Rezeption muss der Betrachter verführt werden. Die Schönheit, die Autorität der Schönheit ist es, dass man bei der Hand genommen wird und irgendwo die Gewährleistung hat, dass man nicht bloß ausgesaugt und mit den eigenen Dämonen alleingelassen wird. Die Schönheit verspricht eine Begleitung, ähnlich wie der Vergil den Dante geleitet hat in der Hölle. ML: Wenn ich auf den Anfang des Gespräches zurückkommen darf, dann kann man – plakativ ausgedrückt – sagen, die moderne Kunst, die abstrakte Kunst, die Avantgardekunst, verführt die Menschen in die Hölle, in die Apokalypse, um über diese apokalyptische Weltvernichtung zum Heil zu kommen. In deinen Bildern interpretiere ich das so, dass du versuchst, die Menschen aus der Hölle, aus der Apokalypse herauszuführen, vielleicht zu einem neuen Humanismus. LK: Je länger ich jetzt arbeite, desto weltbejahender ist meine Arbeit geworden. Gut, das entspricht in gewisser Hinsicht der normalen Entwicklung von Menschen, die draufkommen, dass ihnen nur eine gewisse Zeit auf Erden gegönnt ist, und die dann auch noch zu verneinen fällt härter, als wenn man jung ist und glaubt, dass man entweder unendlich viel vor sich hat oder das leicht hingeben kann, was einem noch nicht genug wert ist. Der Avantgardismus hat sich immer bewegt zwischen der Unverständlichkeit und dem Versprechen, eine höhere, absolute Einsicht zu vermitteln. Dagegen bewegt sich das Humane zwischen Verstehen und Nichtverstehen. Ja: es geht um die Rekonstruktion eines menschlichen Blicks auf den Menschen. ML: Die Ausstellung, die jetzt in Graz stattfindet oder stattfinden wird, heißt „Die Erziehung der Gefühle“. Willst du die Menschen dazu bringen, dass sie mehr auf ihr Gefühl hören, auf ihre Sinne hören als auf Ideologien und abstrakte Werte? |
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