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Das Goldene und das Dunkle Ein Versuch über den Bilderrahmen aus: Leander Kaiser, Das Goldene und das Dunkle, 1988 pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | 39 | 40 | 41 | 42 | 43 | 44 | 45 | |
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Die Rahmen der Altarbilder sind von einer Pracht und Aufwendigkeit, wie sie der Rahmung von Bildern bis dahin noch nie zuteil geworden war. Der Stellenwert, den die Rahmung hatte, kann daran ermessen werden, daß in der Spätgotik und z.T. noch in der Frührenaissance die Kosten für Rahmen und Vergoldung das Mehrfache dessen betrugen, was der Maler für Arbeit und Material erhielt. Der Rahmen wurde zuerst in Auftrag gegeben, erst wenn die Tischler- und Schnitzarbeiten abgeschlossen waren, kam er zusammen mit der Bildtafel zum Maler, der sein Bild in den Rahmen hineinmalte, schließlich zum Vergolder. Die Bilder wurden in der Regel für einen Rahmen angefertigt, der schon vorhanden war. Im Resultat ist das Bild mit dem Rahmen zu einer Einheit verwachsen. Der Gegenstand, den wir vor uns haben, ist kein Gemälde mit Rahmen, sondern ein Altarschrein, ein Chorgestühl, eine Reisealtar usf., lauter besondere Gegenständlichkeitsformen, zu denen das Gemälde unabtrennbar gehört. Es macht nichts, daß das Bild eine größere inhaltliche Bedeutung besitzt als das Gebilde, dem es einverleibt ist; daß der Rahmen ohne es leer wäre; es fehlt doch die Klarheit, ob das Bild dem Rahmen dient oder umgekehrt. Der Rahmen akzentuiert hier noch in erster Linie den Kultwert der Bilder und das Verehrungsbedürfnis, das sich in der Kostbarkeit der verwandten Materialien und im sichtbaren Arbeitsaufwand objektiviert. Das stoffliche Medium, in dem sich die höchste Verehrung ausdrückt, ist Gold. Und es ist vor allem der strahlende Glanz des Goldes, der Bild und Rahmen zu einer einheitlichen optischen Erscheinung verschmilzt. Die Emanzipation des Tafelbilds vom Rahmen setzt die Emanzipation der Malerei vom Goldgrund voraus. Die Verwendung des Goldes wird dadurch schließlich reduziert auf den Rahmen. |
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