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Das Goldene und das Dunkle Ein Versuch über den Bilderrahmen aus: Leander Kaiser, Das Goldene und das Dunkle, 1988 pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | 39 | 40 | 41 | 42 | 43 | 44 | 45 | |
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Denn der Rezipient sieht nicht allein in das Bild hinein; er wird vielmehr zugleich aus dem Bild heraus angeblickt: wie wenn jemand durch ein Fenster ins Zimmer hereinschaut, oder wie wenn man auf der Straße den Blick aus einem Fenster erwidert. Bei vielen Portraits ist der Doppelsinn der Situation offenkundig. Bei erzählenden Malereien wird er durch einzelne Figuren, die aus dem Bild heraus den Betrachter anblicken und häufig Selbstportraits des Künstlers sind, explizit gemacht. Jedoch ist auch die Perspektive ein umgekehrter Sehkegel, in dessen Ursprung, dem Fluchtpunkt, ein sehendes Auge angenommen werden muß. Ein Blick, der des Betrachters oder der, der ihn aus dem Bild-Fenster trifft, kann dabei der herrschende sein; in der Renaissance treffen beide gleichberechtigt zusammen, so daß sich Bild und Betrachter im rezeptiven Nachvollzug gegenseitig ergänzen. Es ist eine Komplementarität von Bild und Betrachter, wie sie Baxandall am Beispiel Giovanni Bellinis beschreibt: „Bellini liefert nicht die Details von Personen und Orten (für die sorgte das Publikum selbst), er ergänzte nur das Innere des Betrachters. Seine Personen und Orte sind verallgemeinert, aber dennoch höchst konkret, und sie sind in Mustern mit starker narrativer Kraft geordnet. Keine dieser Eigenschaften, sei es die Konkretion oder das Modellartige, gleicht dem, was der Betrachter selbst mitbrachte, da man, wie eine kleine Introspektion zeigt, diese Eigenschaften in geistigen Bildern nicht bestimmen kann; keine von ihnen konnte sich vollständig entfalten, bevor nicht der leibliche Sehsinn zur Hilfe kam.“ Das gemalte Kunstwerk vermittelt der individuellen Phantasie das Vermögen der Synthese von Einzelbildern zu einer in sich geschlossenen, komplexen und dennoch sinnlich klar und folgerichtig aufgebauten Welt, in der der Rezipient seine persönlichen Erfahrungen, Kenntnisse usw. einbringen und neu ordnen kann. |
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