2008-2000 / 1999-1994

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Das Licht des Gegenwärtigen
Bemerkungen zu einigen Bildern von Leander Kaiser
Carla Babini, Vienna 2008, Übersetzung Leander Kaiser
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deutsch / italiano

Dabei spielt die Arbeit mit dem Licht eine fundamentale Rolle: Licht als Teil der Natur, als die Dimension, in der Personen und Dinge Gestalt annehmen („Leben“, im absoluten Sinn des Begriffs). Ein Licht, in das sie aber zugleich eingetaucht scheinen wie in ein unerklärliches Fluidum, eine Art Hyperrealität, wie im Zustand der Halluzination. Dieses – allerdings nur scheinbare - Paradox ist meines Erachtens eine visuelle Metapher des rationalen Bewußtseins, das Kaiser den Personen seiner Bilder zuerkennt, speziell dem jungen Protagonisten des Werks, von dem die Rede war. Das diffuse Licht, das die Person einhüllt und in gewisser Weise beschützt, macht sie zugleich nahe und fern, setzt sie in eine Art „absoluter Gegenwart“, zeitlos und aktuell zur selben Zeit, in der Erwartung eines Ereignisses, das paradoxerweise
gerade vorgefallen ist, oder aber in allernächster Zukunft stattfinden wird.

Das Licht eben. Es ist ein warmes und volles Licht, vibrierend von mediterranen Eindrücken und geladen mit Verweisen auf die Renaissance, das bei Kaiser zur Grundlage der Aktualität seiner malerischen Botschaft wird: „Für eine Renaissance der Renaissance.“ Seine tiefgehende Analyse dieser außerordentlichen historischen und künstlerischen Periode in der Geschichte Europas verbindet sich mit dem Vermögen, das einzigartige jener Periode in das hic et nunc unserer historischen Gegenwart zu versetzen und mit ihr zur Synthese zu bringen. Das macht aus Kaiser einen Künstler, der auch für das italienische Publikum äußerst interessant ist.

Wenn der Künstler per Definitionem ein Grenzgänger zwischen zwei oder mehreren verschiedenen Welten ist, so scheint diese Annahme bei Kaiser besonders treffend auf Grund seiner tiefen Sensibilität bei der Analyse der Themen und Motive, die für die alten Meister und die Klassiker von Bedeutung waren. Der explizite und bewußte Bezug auf Piero della Francesca, Duccio da Buoninsegna oder Masaccio (um nur ein paar Große zu nennen) wird niemals zum bloßen Zitieren, sondern vielmehr zu einer neuen Deutung, in einer dialektischen Beziehung, die durch die Distanz möglich geworden ist und es erlaubt die ikonographischen Bezüge der Alten an einem zeitlich und geographisch anderen Ort zur Geltung zu bringen, in der Gegenwart eben.

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