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Incidente sul fare del giorno oder Zwischenfall im Morgengrauen
Meditation über ein Bild von Leander Kaiser (Die Königin von Saba)
Veronika Seyr, Moskau 2004
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Das größte Rätsel gibt aber der wehende Vorhang an der Sänfte auf: woher kommt dieser Luftstoß, wenn sonst rund herum alles in absoluter Unbeweglichkeit verharrt? Die Träger haben mit einem so heftigen Ruck die Sänfte hoch gehoben, dass der Vorhang ins Schwingen gerät: sie reisen ab ohne sie, sie bleibt in der Einöde zurück, weil sie nach dem gerade Erlebten nicht mehr zurückkehren kann in ihr Saba und sonst auch nirgends wohin. Sie ist nun eine Ausgestoßene. Das ist das Wissen, das sie uns schlafwandlerisch voraus hat. Es war weder vorausgedacht noch geplant, nur eine plötzliche, unumstößliche Wahrheit: sie musste in dieser Ausgesetztheit und Einsamkeit bleiben, sie würde sich nie wieder mit jemandem über ihre Lage im Entferntesten verständigen können. Und genau das verlieh ihr klare Umsicht und Festigkeit des Standpunkts. Sie befand sich mit diesen Vorkommnissen in einer neuen innerlichen Lage und war also gleichsam ganz in diese Reise eingeschlossen, die mit dem Abschied von Salomo von hinten herandrückte; jetzt verschwang sie wie ein Vorhang, durch den man getreten war und dessen beruhigte Falten nun wieder senkrecht und reglos hingen.

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