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2008
Erinnerungen an die Menschheit
GEDICHTE VON ERNEST WICHNER UND KONSTANTIN KAISER/
AUSGEWÄHLTE BILDER VON LEANDER KAISER
Studio Leander Kaiser, 23. September 2008
Ergänzender Text von Leander Kaiser: Erinnerungen an die Menschheit
Es scheint mir nicht zufällig, wenn Alain Badiou seine Diagnose des 20. Jahrhunderts auf der Analyse von Gedichten aufbaut (Alain Badiou: Das Jahrhundert. Übers. Heinz Jatho; Diaphanes, 2006). Es sind Gedichte, die Maß nehmen im imaginären Raum, um den Ort der Gegenwart in der Geschichte zu finden. Der kleine imaginäre Raum der persönlichen Erinnerung und Erfahrung trifft auf den großen imaginären Raum menschlicher Selbsterfahrung im Mythos, Religion, Kunst und Politeia. Die Stärke des Gedichts ist dabei sein Formalismus, nämlich, dass jede Formentscheidung Inhalt bedeutet. So wird das Gedicht zum Christal möglichen Bewusstseins.
Ich glaube, dass es etwas gemeinsames zwischen den Lyrikern Ernest Wichner und Konstantin Kaiser gibt, in dem sie sich diesem Anspruch des Gedichts stellen. Immer geht es um die Anwesenheit des Menschen in seinem realen und symbolischen Gehäuse. Sie teilen die Melancholie und eine gewisse Zärtlichkeit. „Menschenlandschaften“ zu gestalten mag auf beide immer wieder zukommen. Beide verbindet auch das Engagement für die Literatur als Herausgeber, Interpret und Veranstalter: Ernest Wichner als Leiter des „Literaturhaus Berlin“, Konstantin Kaiser als Sekretär der Theodor Kramer Gesellschaft und als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung. Die Gegenwärtigkeit ihrer Gedichte, die Wachheit ihrer Zeitgenossenschaft, mag auf den ersten Blick genauso wenig kenntlich sein, wie bei meinen Bildern, die mitunter im Schein des Vergangenen und Zeitlosen operieren. Diese Gedichte und Bilder konterkarieren die Ästhetik des Designs in der apparativen Umwelt. Wir befinden uns auf Verteidigungspositionen, heben tiefe verführerische Gräben aus (um etwas zur militärischen Metaphorik der Moderne beizutragen).
Leander Kaiser, Wien 2008
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