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Die Schuldbewussten
Anmerkung zum 70. Jahrestag der Reichskristallnacht und zum FilmWien mein Wien von Alexandra Reill
Leander Kaiser, Wien 2008
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Man huldigt – natürlich unbewusst – einem Anti-Individualismus, den auch die völkischen Ideologen pflegen. Das erste Recht des Individuums ist, nicht unter eine Kategorie subsumiert zu werden, die nicht universal ist, d.h. eine Bestimmung, die nicht allen Menschen als Menschen zukommt. So die Erklärung der Menschenrechte.

Ich halte daher die Rede vom Tätervolk für eine Verführung zur Unfreiheit, eine Bewusstlosigkeit in Bezug auf das nationalsozialistische und völkische Gedankengut und für einen Beitrag zur allgemeinen Entpolitisierung.

Wenn das Individuum seine Verantwortung in der Gesellschaft der Individuen,
in der politeia, auf Grundlage seiner Freiheit wahrnehmen will, so gebietet die welthistorische Erfahrung des Nationalsozialismus den Kampf gegen das nationalsozialistische Gedankengut und gegen die demokratiefeindlichen Tendenzen in Politik und Gesellschaft*.


* Die spezielle Verwicklung eines Teils der österreichischen Gesellschaft in die Verbrechen des NS-Regimes bedingt weitere Verantwortungen: die Wiederherstellung des Rechts der Verfolgten, die Erinnerung an die Opfer, die Bestrafung und Kenntlichmachung der wirklichen Täter, ihrer Motive und Ideen. Aber auch die Erinnerung daran, dass das Leben und Schaffen derer, die im Widerstand und Exil waren, für uns wertvoll ist.
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