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begegnungen |
Die Schuldbewussten Anmerkung zum 70. Jahrestag der Reichskristallnacht und zum FilmWien mein Wien von Alexandra Reill Leander Kaiser, Wien 2008 pages: 1 | 2 | download gesamter Text als .pdf |
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Die Schuldbewussten pflegen eine Art Theologie, die genau so antipolitisch ist wie die Haltung derer, die von den Verbrechen des Nationalsozialismus nichts mehr wissen und hören wollen. Man werde mit der Schuld seines Volkes – des Tätervolkes – geboren. Abgesehen davon, dass mein Geborenwerden für mich zwar die Bedingung des Daseins darstellt, aber ansonsten ein nach Zeit und Ort kontingentes Ereignis ist, ermöglicht ein solches Schuldbewusstsein nicht einmal Reue, ist ohne jede Aussicht auf Absolution, da ich nur bereuen kann, was ich selbst getan habe. Dieses Schuldgefühl – oft stellvertretend für die, die ihre Taten nicht bereut haben – bleibt unbefriedigt in sich und sucht seinen Ausweg darin, zum Schuldbewusstsein zu bekehren, zum Bewusstsein der Blutschuld zu verpflichten, die das ganze Volk zu tragen hat. Es ist, als wäre der psychische Überbau des Christentums, als wären Glaube, Liebe, Hoffnung den Menschen verloren, und so dadurch als sein festes Fundament das schlechte Gewissen, die Sündigkeit, die Erbsünde bloßgelegt worden. Es gilt nichts mehr, unschuldig geboren zu sein. Vielleicht noch schlimmer als dieses depravierte Christentum ist, dass in solchen Begriffen wie Tätervolk die Idee der Volksgemeinschaft als eines Ganzen, dessen Teil das Individuum ist und in dessen Schicksal es aufgeht, fortgeschrieben wird. Wenn auch unter anderen Vorzeichen korrespondiert solches Gemeinschaftsgefühl derer, die sich als reuige Erben der Schuld der Verbrechen des Naziregimes fühlen, der Dumpfheit derer, die sich als Wir Österreicher von den Anderen abgrenzen. |
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