Über die Dielen rennt Giny, die Hündin der Theodor Kramer Gesellschaft, trägt heute kein Glöckchen; sie scharrt an der Tür zur Dusche, will Wasser schlapfen, sagt S.; sechs Stunden sind wir schon da, frisch geschminkt, wischt sie den Lippenstift von meinem Hals, Eifersucht ist doch kein Thema, sagen wir uns, immer nur Missverständnis, dafür haben wir den Salon, einen Schal oder zwei über der Schulter, neckisch auch um geschlungen, O. sagt drapiert, wie entzückend sie ist, berät oder vermittelt, spricht von den Männern, die Mutter befangen, sich nicht eingliedern können in das Geschlechterleben, lieb sind sie und nett und verehren die Mutter- aber das ist doch nicht neu, liebe O., das hat es schon immer gegeben, siehst du, wir sind schon Geschichte.
Ist man mit Schal eingedeckt, schreitet man zu dem Gaben gedeckten Tisch mit marokkanischen Köstlichkeiten (man spricht nicht von Buffet), ein späterer Gast ist verwundert, wie alles zum Zugreifen einlädt, volle Schalen – er habe zu Hause gegessen, ein paar Oliven, Datteln, Pfefferminztee vielleicht oder Wein? Er lächelt, ich muss leider gehen – immer dann, wenn die Musik richtig zum Verweilen einlädt, zum Tanzen mit denen, derenthalben man hier. Man kommt und geht, die verweilen lassen sich in Gespräche reinziehen, warum Dialekte so wichtig seien neben der deutschen Sprache, zum Beispiel oder kaufen ein Buch oder zwei, lassen signieren von K.
Ein Schal schützt und wärmt Stimmbänder erhitzt und Giny ist dankbar, dass sie etwas zu Trinken hat.
Manches Fest haben wir hier gefeiert- intensive Gespräche geführt oder geschwiegen, gelacht, geliebt und getrauert, gearbeitet und unsere Gedanken beflügelt und Bilder und Bücher signiert.
Lesungen, Vernissagen, sie alle sind dokumentiert und K. der meinem Text seine Stimme lieh, sieht sich auf einem Foto an, gegenüber von mir, fragt, bin das ich, ja das Sakko, aber sonst lächelt mit seinem Mund nur mein Bruder so.
Bis 23 Uhr! stand auf „Schal und Rauch“, sicher ist, dass es dann noch viel später war und jeder Tag im Studio von L. viel zu kurz, um irgendetwas abzuschließen, denn hier hat Zeit keine Dauer, außer heute im Fall des Faltenwurfs. Und morgen ist hier wieder Arbeitsplatz für Fälle der Farbpalette.
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