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Innsbrucker Gespräche
über Ästhetik
2011
Ein Gefühl der Irrealität
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Ohne systematischen Anspruch und ohne die Referate des Symposiums jetzt schon festlegen zu wollen, möchte ich im Folgenden ein paar meiner Überlegungen zum Thema mitteilen – einfach in der Reihenfolge ihrer Niederschrift.
- Schon indem die Ereignisse der realen Welt, Katastrophen, Kriege, Reichtum und Armut, zu einer Bilderwelt geworden sind, produziert sich die Irrealität des Realen und potenziert sich in der Kunst, die aus diesem Stoff wiederum neue Bilder schaffen will: sowohl die Faszination des ästhetischen Reizes wie die kritische Attitüde und der Verfremdungseffekt ziehen von den Bildern auch noch das Dokumentarische ab, das zur Beschreibung eines Sachverhaltes eventuell dienen hätte können. Lässt die Bilderflut ohnedies das Vorstellungsvermögen kaum zu Wort und die Empathie, die Information mit der eigenen Erfahrung als lebendiger Organismus in der eigenen Umwelt verbindet, selten werden, so zerschneiden die künstlerischen Werke endgültig das Band zwischen dem realen Ereignis, dem Bildmaterial, das es reportiert, und dem Mitgefühl des Rezipienten.
- Wenn die Grenze der Irrealität der Simulacra nur mehr der Tod sein soll und an ein Jenseits nicht mehr geglaubt wird, so ist daraus erst recht keine Erfahrung zu gewinnen. Der (Baudrillard), der das sagt, ist (war) ein Lebender, der den anderen Lebenden den Sensenmann an die Wand malt – also selbst ein Simulacrum. Dieser Tod ist längst Bestandteil der Bilderwelt geworden; der Totenschädel ist seit Warhol, Rainer und anderen und erst recht seit der Jahrtausendwende ein modisches Accessoire des Kunstbetriebs. In jedem solchen Memento mori steckt der Versuch, den Tod selbst zu irrealisieren. Diese Irrealisierung des Todes wird
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