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Innsbrucker Gespräche
über Ästhetik
2009
Die Gegenwart der Perspektive
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Peter Lodermeyer, Bonn
Spiegel-Ei und Diskokugel. Raumperspektiven in der zeitgenössischen Skulptur
Der Spiegel gehört neben dem Fenster zu den zentralen Bildmetaphern der abendländischen Kunstgeschichte. Ei- und Kugelformen zählen zu den interkulturell verbreiteten, „archetypischen“ Ganzheits- und Weltsymbolen. Wo solche Formen als Spiegelskulpturen auftreten, deuten sich aufs Allgemeine zielende künstlerische Aussagen (Reflexionen im doppelten Sinne) über den Zustand unseres Weltverhältnisses an. Die innenseitig verspiegelten ovoiden Skulpturen zum Beispiel von Anish Kapoor oder Jeff Koons lassen sich mit ihrer Einbeziehung des Betrachters ins Spiegelbild als Versuche deuten, verloren gegangene Ganzheitsvorstellungen künstlerisch zu reaktivieren oder zumindest zu simulieren. Dagegen weist das in der in der jüngeren Kunst auffällig häufig zu findende Motiv der mit zahlreichen Spiegelflächen übersäten - konvexen - Diskokugel (z. B. bei Olafur Eliasson, Martin Kippenberger, Helmut Lang, Mischa Kuball, Neo Rauch) auf einen Aspektverlust bzw. auf eine perspektivische Fragmentierung, die totalisierenden Ansprüchen entgegensteht.
*1962 in Ottweiler (Deutschland), studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik in Bonn. 1997 Promotion in Kunstgeschichte mit einer Dissertation über die nachkubistischen Stillleben Picassos. Seit 1999 freiberufliche Tätigkeit als Kunsthistoriker, Kunstkritiker, freier Autor und gelegentlich als Kurator. Seit 2003 konzeptionelle Betreuung der internationalen Künstlerprojekte Personal Structures und Personal Structures: Time - Space - Existence (Publikationen, Symposien, Vorträge).
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