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Innsbrucker Gespräche über Ästhtik 2007
Inkarnation und Abstraktion
Leander Kaiser, Wien 2007
pages: 1 |

Die europäische Kunst hat einen paradoxen doppelten Ursprung: das alttestamentliche Bilderverbot und den Anthropomorphismus der Kunst und Religion der griechisch-römischen Antike. Für das Christentum war die Fleischwerdung des Absoluten im Menschensohn Jesus Christus der Grund für die Darstellbarkeit des Höchsten, Göttlichen in menschlicher Gestalt. Für die Kritiker der Bilderverehrung war Gott als das Geistige nur in der Abstraktion von jeder Sinnlichkeit zu fassen. In der sinnlichen Welt durften nur Zeichen und Symbole dahin weisen. Die eigentliche Botschaft des Geistes an den Geist sei aber die Schrift.

Das Symposium soll das Fortwirken dieses Gegensatzes in der Moderne und in der heutigen Kunstsituation thematisieren. Ein Anlass ist der 100. Geburtstag von Otto Mauer, der einer der wichtigsten Befürworter der Abstraktion im sakralen Bereich nach 1945 war. Die Kritik von Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI) an der Leere und Armseligkeit heutiger Kircheninterieurs provoziert aber die Frage, ob die Enthumanisierung der Heilsbotschaft im christlichen Symbolismus der Gegenwart nicht eine Anpassung an einen im Grunde häretischen Zeitgeist darstellt.

Die Rückkehr der Gegenständlichkeit und der Menschendarstellung in den Mittelpunkt des Kunstgeschehens ist heute evident. Der oft beliebigen Spiritualität der Abstraktion entspricht auf der anderen Seite ebenso oft jedoch ein beliebiger, meist auf fotografische Evidenzen gestützter oberflächlicher Realismus.

Dass der Gegensatz und die Beziehung von Inkarnation und Abstraktion erneut zum Thema der Kunst geworden ist, lässt sich auch anhand von Beispielen des aktuellen Minimalismus und der Medienkunst darstellen.

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programm / konzept / vortragende: A-H / H-K / L-M