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Warnung vor Wagner
Georg Wagner, Spectrum, 3. Mai 2003
Copyright Die Presse | Wien
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Als eine Stilblüte besonderer Art ist die erfolgreiche Zusammenarbeit von SED-Wagner-Forschern mit Alt-Nazis im Bayreuther Archiv bei der Herausgabe der Wagner-Briefe durch den Deutschen Verlag für Musik, Leipzig, ab 1967 zu lesen. Man einigte sich dabei auf Wagner, den linken Revolutionär, weil es dem neuen Trend entsprach, der auch in der feindlichen BRD damals gut zu vermarkten war.

Ich denke: Alle, die immer noch unbelehrbar an der Legende vom linken Wagner festhalten, sollten seine unveröffentlichten Sätze aus der Schrift "Mitteilung an meine Freunde" von 1851 lesen, und ich zitiere: "Ich bin weder Republikaner noch Demokrat oder Sozialist, noch Kommunist, sondern Künstler und als solcher, wohin auch mein Blick, mein Verlangen sich erstrecken, durch und durch Revolutionär, ein Zerstörer des Alten durch die Schaffung des Neuen."

Diese verheimlichte Aussage beweist, dass Wagner allen ideologischen Spekulationen freien Lauf ließ. Er hielt sich damit alle Wege eigener Machtentfaltung unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen auch immer in der Zukunft offen. Es ging ihm um die eigene Wirkung auf die Massen mit all seinen Verführungskünsten.

In diesem Sinne ist Richard Wagner in einer vermassten Nichtgesellschaft ohne Erinnerung und Solidarität ein moderner Bürger von heute - jederzeit zubereitbar für künftige Ideologien. Mit Richard Wagner sind aber weder heute noch in der Zukunft Erinnerung und Solidarität zurückzugewinnen. Darin besteht sein Erfolg bis heute. Er hätte in unserer Zeit der Mediendiktaturen sicher seine eigene Talk-Show. [*]

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