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Warnung vor Wagner Georg Wagner, Spectrum, 3. Mai 2003 Copyright Die Presse | Wien pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | |
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1933 propagierte Lunatscharski mit seiner Schrift "Der Weg Richard Wagners" eine sozialistische Aneignung von Wagner, den er als tiefen Denker und bedeutenden Dichter pries. Um Wagner in marxistisch-wissenschaftlicher Dialektik aufzubereiten, verwies er auf den Widerspruch von Wagners Persönlichkeit als gescheiterter Revolutionär, der zum Renegaten wurde und den Pantoffel des römischen Papstes küsste. Sodann betonte er die ideologische Nutzbarkeit Wagners für den Sozialismus mit Werkanalysen, unter anderem wie folgt: ",Lohengrin' erhält eine progressive Dimension, und ,Siegfried' feiert die anarchistische freie Persönlichkeit. Wehe dem, der die Welt ärmer macht, indem er Wagner mit dem Rotstift des Zensors ausstreicht!"Die ideologische Vereinnahmung und Verteidigung Wagners durch Lunatscharski sollte durch Ernst Bloch intensiviert werden. Die Wagner-Deutung Blochs wird nur dann verständlich, wenn man sich mit dessen sehr komplexem und kompliziertem marxistischem Weltbild auseinandersetzt. Für Bloch ist der Marxismus die Utopie der sozialen Gerechtigkeit: Vorspann für das Kommen des vollkommenen Lebens. Regnum Humanum, goldenes Zeitalter, absolutes Ziel, endlich gefundene Heimat - Marxismus als messianische Lehre.Was nun Blochs Wagner-Verständnis betrifft, verfälschte er spekulativ Wagners Werk, Leben und Weltanschauung, indem er ihn einseitig zum 1848er-Revoluzzer im Sinne der eigenen marxistischen Sozialutopie machte. Es ist bei heutigem Wissensstand um den Fall Wagner befremdend, dass Bloch Wagners kurze Zeit als "linker Revolutionär" nicht als das bezeichnete, was sie wirklich war, nämlich die eines scheinlinken Mitläufers und Opportunisten. |
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