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Warnung vor Wagner
Georg Wagner, Spectrum, 3. Mai 2003
Copyright Die Presse | Wien
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In "Menschliches, Allzumenschliches" begann Friedrich Nietzsche die Folgen von Wagners gefährlichem Gedankenchaos zu durchschauen, indem er - auf Wagner anspielend - den Wahrheitssinn des Künstlers entlarvte. "Der Künstler hat in Hinsicht auf das Erkennen der Wahrheiten eine schwächere Moralität als der Denker; er will sich die glänzenden, tiefsinnigen Deutungen des Lebens durchaus nicht nehmen lassen und wehrt sich gegen nüchterne, schlichte Methoden und Resultate. Scheinbar kämpft er für die höhere Würde und Bedeutung des Menschen; in Wahrheit will er die für seine Kunst wirkungsvollsten Voraussetzungen nicht aufgeben, also das Phantastische, Mystische, Unsichere, Extreme, den Sinn für das Symbolische, die Überschätzung der Person, den Glauben an etwas Wunderartiges im Genius."

In seinem Pamphlet "Der Fall Wagner" rechnet Nietzsche zehn Jahre später endgültig mit Wagner und dem Wagner-Kult ab. Die Frage, was Wagner und seine Bewegung in den Vordergrund gebracht habe, immer mehr ins Große gezüchtet habe, beantwortet Nietzsche so: "Vor allem die Anmaßung des Laien, des Kunstidioten. Das organisiert jetzt Vereine, das will seinen Geschmack durchsetzen, das möchte selbst in rebus musicis und musicantibus den Richter machen." Weiters: "Eine immer größere Gleichgültigkeit gegen jede strenge, vornehme, gewissenhafte Schulung im Dienste der Kunst; an ihre Stelle gerückt den Glauben an das Genie, auf Deutsch: den frechen Dilettantismus (die Formel dazu steht in den ,Meistersingern')." Von besonderer Bedeutung ist Nietzsches Erkenntnis der Wirkung Wagners auf die Massen - und zwar unabhängig von Rechts- und Linkszuordnungen.

Um Wagners Wirkungen auf rechte, linke und sonstige Ideologien bis heute zu begreifen, ist den Gründen für sein Sendungsbewusstsein als der "politischste" Künstler Europas des 19. Jahrhunderts nachzugehen, der die Inhalte seiner Botschaften je nach persönlicher Notwendigkeit des opportunen Moments stets zu seinem Vorteil grandios zu nutzen verstand.

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