|
||||
|
archiv |
Warnung vor Wagner Georg Wagner, Spectrum, 3. Mai 2003 Copyright Die Presse | Wien pages: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | |
|||
Richard Wagner war insofern einzigartig, als er jedes Detail seines Mediums Oper - also Musik, Libretto, alle Vorgänge auf der Bühne sowie innerhalb und außerhalb des Zuschauerraums - weiterentwickelte, veränderte, neu festlegte und in einen neuen gesellschaftspolitischen Rahmen stellte. Er kontrollierte nicht nur die Details in der Partitur, sondern hatte auch Einfluss auf die Interpretation, auf die "Realisation" der Aufführung und auf die Wirkung seines Werkes, ja seines Lebens. Daher schuf er sich eigene Festspiele; daher verfasste er gewaltige Mengen von theoretischen Schriften und Briefen, gewaltige Mengen über sein Werk und Leben. Damit sprengte er jeden rein theatralischen Rahmen der Oper seiner Zeit.Was Wagner ferner von anderen Opernkomponisten seiner fernseh- und radiolosen Zeit unterschied, war sein militanter Glaube an die einzigartige emotionale Wirkung seiner Musik durch das Medium Oper und an die Gattung Oper als Inbegriff der Kunst und als gesellschaftspolitischer Wirkungsraum schlechthin. In seiner Schrift "Oper und Drama" fasste er zusammen, welche Wirkung Dichtung und Musik in seinem "Gesamtkunstwerk" der Zukunft haben sollten: Dichterisch war für Wagner, was vollkommen im musikalischen Ausdruck aufging, also sangbar und motivisch erfassbar war.Musikalisch war einzig, was der Verwirklichung und dem Ausdruck der dichterischen Absicht diente. Wagner ging es also stets erst einmal um die kommunikative Wirkung seiner Musik durch das Gefühl - was dann das intellektuelle Verständnis für den Vorgang im Drama zur Folge haben sollte.Der Verschmelzungsprozess zum Gesamtkunstwerk schloss aber nicht nur Dichtung, Musik, Handlung, Tanz, bildende Künste ein, sondern enthielt auch die Suche nach einer eigenen Heilslehre außerhalb konventioneller Kunstformen, wobei der Musik als Emotionsträger eine zentrale Rolle zukam. |
||||