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Unbewältigte Vergangenheiten
Der Künstler als Ideologe: ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Michael Ley

Michael Fleischhacker, Die Presse, 9. Mai 2003
Copyright Die Presse | Wien
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Im Symposium "Von der Romantik zur ästhetischen Religion" werden die weltanschaulichen Hintergründe der Avantgarden der klassischen Moderne untersucht. Organisator Michael Ley sieht im "Presse"-Gespräch auch aktuelle Wien-Bezüge. VON MICHAEL FLEISCHHACKER

Die lange geübte Praxis, den Avantgardismus des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts als antifaschistisches Konzept zu betrachten, sei reiner Schwachsinn, sagt Michael Ley. Der Politologe, der das Symposium gemeinsam mit Leander Kaiser organisiert, meint, die Kunst habe - in ideengeschichtlicher Retrospektive - einfach "Glück" gehabt, von den Nationalsozialisten als "entartete Kunst" eingestuft zu werden.

Eine knappe Entscheidung übrigens: Goebbels war ein Anhänger des Expressionismus, er wollte ihn zur Staatskunst erheben (weil seiner Meinung nach eben eine revolutionäre Bewegung auch eine revolutionäre Kunst brauche). Letztlich setzte sich allerdings die Kleinkariertheit Rosenbergs und Hitlers durch. Dabei hätten viele Künstler dieser Zeit - Mies van der Rohe etwa oder auch Kandinsky, Sympathien für Hitler gehabt. Sowohl im nationalsozialistischen Deutschland als auch in der kommunistischen Sowjetunion gab es immer wieder den Versuch von Künstlern, die Politik für ihre Ideen zu instrumentalisieren. Allerdings, so Ley, habe die Politik der Kunst immer schnell klargemacht, wo die Macht wohnt.

Mit dem Symposium soll eine Lücke geschlossen werden: Die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Avantgardismus wurde umgangen, man hat sich nach 1945 um die inhaltlichen Bestimmungen nicht mehr gekümmert, hat einfach nicht zur Kenntnis genommen, dass diese Kunstrichtungen eine Gesellschaftsveränderung im Sinne einer zeitgenössischen Gnosis wollten - mit dem Programm einer den Überwindung der Moderne, der Demokratie und des Liberalismus, wie es auch die Totalitarismen aufwiesen.

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