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Symposium: Der Mythos, das Werk und die Macht Michael Fleischhacker, Kultur News, 12. Mai 2003 Copyright Die Presse | Wien pages: 1 | 2 | 3 | |
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Die bis heute fortwirkende Trendwende bestand darin, dass der künstlerische Akt erstmals für sich in Anspruch nahm, "Motor der sozialen Veränderungen zu werden". Ein Impetus, der sich von den Surrealisten über die italienischen Futuristen bis hin zum Suprematismus eines Malewitsch als verbindendes Merkmal zeigt, und der auch das Selbstverständnis jener - freilich vergleichsweise harmlosen und aus Clairs Sicht nicht mehr mit diesem Begriff zu bezeichnenden - "Avantgarden" prägte und prägt, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, namentlich in den 60-er Jahren, der Verbesserung der Welt und des Menschen verschrieben haben. Damit gälte auch für sie, was Jean Clair über den Surrealismus sagt: Sobald sich künstlerisches Schaffen die Fähigkeit anmaßt, "gleichberechtigt am Soziussitz derer, die uns regieren, mit die Welt zu bewegen", müsse dieses künstlerische Schaffen "Rechenschaft ablegen wie jede andere menschliche Tätigkeit auch, die vorgibt, die Welt zu verändern."Jean Clair interessiert sich besonders für den Versuch der Surrealisten, aus ihrer Faszination für die Gewalt einen modernen Mythos aufzubauen und findet dafür einen Beleg mit hohem Aktualitätsbezug: In einem 1929 in Brüssel veröffentlichten Atlas finden sich geografische "Richtigstellungen", welche die Bedeutung des jeweiligen Landes für die Entwicklungsgeschichte des Surrealismus widerspiegeln. Zwei dieser Richtigstellungen seien "besonders auffällig und überraschend": Die USA existierten nicht mehr, dafür bedecke ein kleines Land eine unverhältnismäßig große Fläche, größer als Indien: Afghanistan. Dies in Kombination mit einem Zitat, das sich in einer 1924 veröffentlichten Schrift Louis Aragons findet - "Und möge die weiße Skyline Amerikas am fernen Horizont in sich zusammenbrechen" - verleitet Jean Clair zu einer Feststellung, die ihm auch heftige Kritik eingebracht hat: "Am 11. September 2001 verließ die Träumerei Aragons das Surreale und nahm Form an in der Realität. Die weiße Skyline der Twintowers brach in Flammen in sich zusammen, während der ungläubig staunende Westen ein kleines, ein wenig in Vergessenheit geratenes Land entdeckte: Afghanistan." |
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